Wie baue ich Vermögen auf?

Schnell und hektisch reich werden: Das klappt - wenn überhaupt - meist nur für diejenigen, die Dir für viel Geld nette Geschichten und Träume in einem überteuerten Seminar verkaufen.

Mir geht es aber weniger darum, möglichst viel Geld zu besitzen.

Klar, es spielt eine wichtige Rolle.

Gleichzeitig wird es vermutlich wenig Beitragen zu Zufriedenheit, innerer Ruhe und Ausgeglichenheit.

Wer viel hat, will meistens mehr. Zumindest mehr, als die anderen. Und es wird immer jemanden geben, der mehr hat, als man selbst. Und dieser jemand ist vielleicht selbst unglücklich, weil er wiederum jemanden kennt, der noch mehr hat.

Auch im Stoizismus zur Zeit der alten Griechen und Römer wurde schon viel darüber philosophiert.
Die Ansicht einiger war, dass Menschen die einen luxuriösen Lebensstil erreichen selten glücklich sind. Luxus steigert nur das Bedürfnis nach noch mehr Luxus.

Gleiches sehen wir in Studien die besagen: Die Zufriedenheit steigt nur bis zu einem gewissen Einkommen. Ab einem gewissen Einkommen kann die Zufriedenheit sogar wieder abnehmen!

In Vermögen bis zu einem gewissen Grad sehe ich vor allem ein Gefühl von Sicherheit. Es wirft mich finanziell nicht komplett aus der Bahn, wenn das Auto oder die Waschmaschine kaputt geht.

Verliere ich meinen Job ist das zwar vielleicht bitter, ich muss aber nicht unbedingt jede neue Tätigkeit annehmen, wenn ich es nicht möchte.
Aus dem Gefühl von Sicherheit kann man aber auch Energie und Motivation für eigene Projekte ziehen, sich ein Stück weit Freiheit erkaufen.

Vermögen bedeutet für mich vor allem, eine Wahl zu haben.
Mehr kann, weniger muss.

Dabei geht es mir nicht so sehr darum, aus allem das Letzte heraus zu quetschen und wie besessen jedem Euro hinterher zu jagen.

Ich versuche vor allem zwei Dinge für mich arbeiten zu lassen:

  1. Eine niedrige Cash-Burn-Rate
  2. Langfristiges investieren

1. Eine niedrige Cash-Burn-Rate

Bei Vermögensaufbau denkt man gerne sofort an: “Ich muss so viel wie möglich verdienen!” oder “wie kann ich mit kleinem Risiko schnell das große Geld machen?”.

Wenn Du “vermögend” hörst - was hast Du dann vor Augen? Wahrscheinlich jemanden mit einem großen Haus oder einer großen Wohnung in der Innenstadt, Designermöbeln, stylische Klamotten, teurem Schmuck und vielleicht noch einem schicken SUV? Auf jeden Fall glamour, schöne Menschen und alle sind glücklich.

Was alles so toll klingt, ist vor allem erst einmal eines: Teuer.

Zugegeben: Das große Haus kann schon Vermögen generieren. Wobei ich denke, dass man in den meisten Phasen anders durchaus mehr Rendite mit weniger Risiko bekommen kann.

Aber was ist mit den ganzen anderen tollen Dingen, die uns in den Sinn kommen?

Erst einmal kosten sie Geld. Wir müssen es erst einmal haben (und ich denke den wenigsten von uns fliegt es einfach zu, sprich wir müssen es erst verdienen).

Wenn wir sie dann (endlich, endlich) haben, machen sie vor allem zwei Dinge:

  1. Sie verlieren massiv an Wert
  2. Sie langweilen uns schnell. Jetzt wo ich endlich das habe was alle anderen auch haben, ist es gar nicht mehr so toll. Aber neulich habe ich jemanden gesehen, der hat jetzt schon das Neue, wenn ich das nur haben könnte…

Bevor ich mir also das Hirn zermartere, wie ich mich für die Gehaltserhöhung belohne und mir nach ein paar Monaten denke “irgendwie bleibt trotzdem nicht mehr Geld übrig - eigentlich wäre es wirklich mal wieder Zeit für eine Gehaltserhöhung!”, denke ich über meine Ausgaben nach.

Was erst einmal langweilig und einschränkend klingt (weil mehr ist ja immer besser), ist einerseits der meist größere Hebel: Für die meisten ist es wahrscheinlich einfacher 100€ zu sparen, als einfach so 100€ mehr zu verdienen.
Andererseits wird es Dich vielleicht überraschen, dass Dir eigentlich gar nichts fehlt, wenn Du nicht 20 Paar Schuhe im Regal hast, von denen Du eh nur 2 Paar anziehst (ok, ok - ich geb’s ja zu...).

Konsum kann man meist schnell und einfach reduzieren.
Den Konsum zu reduzieren hat interessanter Weise oft etwas befreiendes.
Vielleicht hast Du nach dem Ausmisten alter Sachen auch schon einmal ein Gefühl von Erleichterung erlebt, der Ballast ist weg.
Der Erfolg von Marie Kondo und Co. zeigt, dass weniger oft mehr ist.

Konsum zu reduzieren ist vermeintlich einfach, schwieriger ist es dann schon bei Fixkosten. Deshalb solltest Du Dir gut überlegen, was Du Dir leisten möchtest. Vielleicht brauchst Du nicht wirklich jeden Vertrag, der so vor sich hinläuft.
Gerade bei Autos oder Wohnraum denken wir oft: “Wie viel kann ich mir leisten?”.
Vielleicht könnte ein Ansatz sein sich zu fragen: “Wie viel bin ich bereit dafür zu opfern?”
Klar, ein gewisser Grad an Komfort kann sich wirklich lohnen.

Ich denke man sollte sich aber auch immer bewusst machen, was man für das zusätzliche Zimmer (das ich dann vielleicht kaum nutze), den verchromten Cappuccino-Halter am Designer-Retro-Rad und die Tasche aus Kolibri-Kunstleder eintauschen muss: Geld.
Und mit Geld meine ich eigentlich Zeit. Die Zeit, die wir aufbringen müssen, um es erst einmal zu verdienen.

Und je mehr Dinge (und damit Geld) Du brauchst, desto mehr musst Du verdienen. Wenn Du also immer mehr brauchst (weil Dich DAS jetzt aber WIRKLICH glücklich macht), musst Du auch immer mehr verdienen. Und um von dem ganzen Stress wegzukommen, “gönnen” wir uns erst mal was. Aber das hält nicht lange - und kostet außerdem noch mehr Geld.

In jedem Fall: Je weniger Geld Du verbrennst, desto mehr bleibt Dir. Je mehr Dir bleibt, desto schneller kann Dein Vermögen wachsen.

Dabei gebe ich selbst zum Beispiel durchaus Geld aus.
Sehr gerne sogar wenn ich meine, dass es mein Leben wirklich bereichert.

Aber vor allem bevor ich mir etwas “größeres” kaufe, versuche ich vorher herauszufinden, ob es mein Leben wirklich bereichern würde.

Ich habe zum Beispiel schon stark vermutet, dass mir das Bergradeln wirklich Spaß machen würde - ein entsprechendes Rad hätte finanziell aber auf jeden Fall weh getan.

Statt mir gleich ein tolles Rad zu kaufen und es dann erst zu testen, konnte ich eine Zeit lang das Rad meines Schwiegervaters nutzen (danke dafür!).

Erst als mir klar war, dass ich das dauerhaft mit Begeisterung machen würde (okay, diese Erkenntnis hat nicht lange auf sich warten lassen), habe ich mir wirklich mein erstes eigenes Bergrad gekauft und fahre dieses Rad nach Jahren immer noch voller Freude.

Außerdem versuche ich die Kauf-Entscheidung nicht aus einem Impuls heraus zu treffen. Heute denke ich: “Das muss ich unbedingt haben, am besten noch in der Luxusvariante!”.
Eine Woche später ist der Drang aber vielleicht schon nicht mehr so groß, oder das Interesse ganz verschwunden.

Tipp: Wenn Du das nächste Mal etwas teureres - sagen wir mal über 100€ - kaufen möchtest, lass Dir für die Entscheidung eine Woche Zeit.

Möchtest Du es dann immer noch unbedingt haben, dann kauf es Dir und freue Dich darüber.

Falls Du nicht mehr ganz so begeistert von der Idee bist, dann kauf es nicht.

Vielleicht überrascht Du Dich selbst und freust Dich, dass Du Dein Geld nicht überstürzt für etwas ausgegeben hast, das bald nur noch als Staubfänger her gehalten hätte.

Vielleicht stellst Du bald fest: Wow, mir bleibt ja (immer mehr) von meinem Geld übrig!
Das bringt uns zum zweiten wichtigen Teil:  Dem langfristigen investieren.

2. Langfristiges investieren

Investieren - und das auch noch langfristig? Was heißt langfristig überhaupt und wie soll ich investieren?

Wichtig ist zunächst einmal zu verstehen, warum am investieren bei Aufbau und Erhalt von Vermögen praktisch kein Weg vorbei führt.

Oder anders gesagt: Entscheide selbst, was aus 10.000€ werden soll:

  • 0€?
  • 5000€?
  • 40.000€?

Dazu später mehr.

Das magische Dreieck der Geldanlage

Vielleicht hast Du schon einmal von dem “magischen Dreieck der Geldanlage” gehört: Rendite, Sicherheit, Liquidität

Rendite ist der Ertrag, den man in einem bestimmten Zeitraum auf seinen Einsatz bekommt. Investiere ich zum Beispiel 100€ und daraus sind nach einem Jahr 110€ geworden, liegt die Rendite bei 10€ oder 10%.

Ein hoher Grad an Sicherheit bedeutet, dass ich wahrscheinlich keine (dauerhaften) Verluste einfahren werde.

Liquidität bedeutet, wie schnell ich an mein Vermögen komme. Die Liquidität ist beim Tagesgeld zum Beispiel sehr hoch - ich kann jederzeit darauf zugreifen.
Habe ich aber zum Beispiel Festgeld mit einer Laufzeit von 3 Jahren, ist es in diesem Zeitraum komplett illiquide. Ach wenn ich das Geld unbedingt früher haben möchte, kann ich es nicht früher bekommen.

Investitionsmöglichkeiten können sich grundsätzlich überall innerhalb des Dreiecks bewegen - man kann aber nie alle drei “Ecken” gleichzeitig maximieren.

Beispiele:

  • Tagesgeld: geringe Rendite, hohe Sicherheit, hohe Liquidität
  • Festgeld: niedrige Rendite, hohe Sicherheit, geringe Liquidität
  • Börse: Chance auf höhere Rendite, geringere Sicherheit, relativ hohe Liquidität

Warum ist investieren wichtig?

Deutlich wird das, wenn man sich die Wertentwicklung über einen längeren Zeitraum anschaut.

Sagen wir einmal von 10.000€ bei einer jährlichen Inflationsrate (“Wertverlust” des Geldes) von 2%.

Realer Wert von 10.000€ nach 10 Jahren bei 2% Inflationsrate:

  • verkonsumiert: 0€
  • “Sparbuch”, keine Rendite und Inflation: 8.170,73€
  • investiert, 5% Rendite nach Inflation: 16.288,95€

Realer Wert von 10.000€ nach 20 Jahren bei 2% Inflationsrate:

  • verkonsumiert: 0€
  • “Sparbuch”, keine Rendite und Inflation: 6.676,08€
  • investiert, 5% Rendite nach Inflation: 26.532,98€

Realer Wert von 10.000€ nach 30 Jahren bei 2% Inflationsrate:

  • verkonsumiert: 0€
  • “Sparbuch”, keine Rendite und Inflation: 5.454,84€
  • investiert, 5% Rendite nach Inflation: 43.219,42€

Auch wenn Steuern hier nicht berücksichtigt sind: Zwischen Sparbuch und investiert mit einer historisch betrachtet realistischen Rendite eines weltweit gestreuten Aktienportfolios liegen nach 30 Jahren sage und schreibe 37.764,58€!

Mehr Zeit und/oder mehr Rendite machen den Unterschied noch einmal deutlich größer.

Möglich macht das der sogenannte Zinseszins oder auch "Compounding Effect".

Was in den ersten Jahren keinen wahnsinnigen Unterschied macht, nimmt mit der Zeit eine gewaltige Entwicklung.

Das Geld bringt Rendite/Zinsen.💰

Rendite/Zinsen bringen wieder Rendite/Zinsen.💰💰

Je länger dieser Vorgang weitergeht, desto größer ist der Effekt.💰💰💰💰

Welchen Rat würde ich meinem Kind geben?

Überlege gut, wie Du Dein Geld einsetzt.

Versuche keine "Tricks" und hüte dich vor vermeintlichen Abkürzungen (Abzocker hassen diesen Trick!😜).

Solltest Du doch einmal Spekulationen eingehen, dann begrenze zumindest das Risiko.

Behalte immer so viel schnell zugängliches Vermögen, um für Notfälle gewappnet zu sein und auch Durststrecken von mehreren Monaten problemlos aushalten zu können.

Sei vorsichtig mit hohen Fixkosten.
Sie nehmen Dir nicht nur Geld, sondern auch Flexibilität und Freiheit.

Kredite machen nur wirklich Sinn, wenn sie Dir einen wirklichen Vorteil bringen können - zum Beispiel zur Unternehmensgründung, Hauskauf, etc.

Konsumkredite sind niemals eine gute Idee. Versuche sie so gut wie möglich zu vermeiden.

Bevor Du Geld ausgibst: Überlege, ob das was Du dafür bekommst Dein Leben bereichert.
Ist die Antwort “nein”, gib es nicht aus.

Investiere “überschüssiges” Geld langfristig und nutze den Zinseszins zu Deinem Vorteil.

Bleibe bei Deiner Strategie, wenn es keinen triftigen Grund gibt, groß etwas zu ändern.

Automatisiere so viel wie möglich. Dauerauftrag auf's Tagesgeld, Sparpläne, ...

So kommst Du nicht so leicht in Versuchung, von Deiner Strategie abzuweichen oder am Ende unnötig Geld aus zu geben.

Hast Du Deine Strategie gewählt und Geld-/Sparströme automatisiert, dann beschäftige Dich mit anderen Dingen und schenke dem Vermögen nicht zu viel Beachtung.

Sonst läufst Du Gefahr, dass das was mehr Sicherheit und Freiheit bringen soll zu Deinem Zentrum wird und Gier und Unzufriedenheit an Dir nagen.